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OSTEUROPA ist unauflöslich in die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts eingewoben, die untrennbar mit jener Ostmitteleuropas und Osteuropas verbunden ist. 1913 wurde in Berlin die Deutsche Gesellschaft zum Studium Rußlands gegründet, aus der die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde hervorging. Erst im Spätherbst 1925 konnte der Spiritus rector der Gesellschaft, der Osteuropahistoriker und Reichstagsabgeordnete Otto Hoetzsch das erste Heft von OSTEUROPA vorstellen. Nimmt man die Gründung der Gesellschaft als Herausgeberin der Zeitschrift zum Ausgangspunkt, so fallen in diese Periode der Erste Weltkrieg und der Zweite Weltkrieg, der bis heute seine Schatten wirft. Und Deutschland hat in dieser Zeit sechs politische Ordnungen erlebt: das Kaiserreich, die Weimarer Republik, das NS-Regime, das geteilte Deutschland und die Berliner Republik. Immer war OSTEUROPA ein Spiegel der Zeit. In den zwanziger Jahren, als es an fundierter Berichterstattung über internationale Beziehungen und außenpolitisch relevante Fragen mangelte, waren die Aktualität, Validität und Solidität, mit der OSTEUROPA über die UdSSR und den Osten Europas berichtete, einzigartig. Berlin war das weltweit anerkannte Zentrum der Rußland- und Osteuropastudien, wozu auch diese Zeitschrift beitrug. Doch das Signum der Zeitschrift seit ihrer Weimarer Zeit, die Verknüpfung von Wissenschaft und Politik, Erkenntnis und Interesse, Aufklärung und Handeln, sollte ab 1933 prekäre Konsequenzen haben. Nach dem Machtantritt der NSDAP galt ihr Schriftleiter Klaus Mehnert als „Salonbolschewist“ und ging ins Exil, Otto Hoetzsch wurde in die innere Emigration getrieben. Der Versuch, die Zeitschrift über Wasser zu halten, hatte einen hohen Preis. Der damalige Chefredakteur Werner Markert, der sich in den 1950er Jahren beim Aufbau der Osteuropaforschung unbestreitbare Verdienste erwarb, versuchte es mit Anpassung an die nationalsozialistischen Machthaber. Das konnte nicht ohne Kompromittierung gelingen. Doch die eigentliche Tragödie traf andere. Mehrere Schüler von Otto Hoetzsch, die an OSTEUROPA mitarbeiteten, fielen dem kriminellen nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer. Stellvertretend sei an Wolfgang Leppmann erinnert. Er wurde in Auschwitz umgebracht. Auch dies ist ein Teil der Geschichte von OSTEUROPA. Angehörige seiner Generation bauten nach dem Krieg die Osteuropaforschung wieder auf. Der Kalte Krieg begünstigte es, daß die individuelle Belastung durch die Verstrickung in den Nationalsozialismus zugunsten der Beschäftigung mit der drohenden sowjetischen Expansion verdrängt werden konnte. Hier brachte die Entspannungspolitik auch wissenschaftspolitisch und methodisch eine Zäsur. Die jüngste Vergangenheit der Zeitschrift ist mit dem jahrzehntelangen Wirken insbesondere von Horst Günther, Alexander Steininger, Jutta Unser und Karl-Eugen Wädekin verbunden. Seit den 1970er Jahren, insbesondere seit dem Ende des Ost-West-Konflikts haben sich Charakter und Funktion von OSTEUROPA verändert. Mit dem Jahr 2002 begann für OSTEUROPA das Internetzeitalter.
Mehr zur Geschichte der OSTEUROPA lesen Sie in Heft 12/2005
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