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Der 11. September 2001 hat den Blick auf die Welt verändert. Regionale Konflikte, die sich im Windschatten der sogenannten großen Weltpolitik befanden, rücken plötzlich ins Zentrum der internationalen Wahrnehmung. Dies gilt auch für den südlichen Kaukasus, dem immer dann Aufmerksamkeit zuteil wird, wenn ein „eingefrorener Konflikt“ explodiert. Doch das öffentliche Interesse wendet sich zu rasch von der Region wieder ab, so dass die strukturellen Problemen unerkannt bleiben.

Ende November 2001 fand in Moskau das „Bürgerforum“ statt, das Präsident Putin mit Vertretern der rußländischen Zivilgesellschaft zusammenbrachte. Vor dem Treffen war es regierungskritischen NGOs gelungen, ihren Begriff von „Zivilgesellschaft“ durchzusetzen. Dies berechtigt aber noch nicht zu der Aussage, das Forum habe einen „Dialog zwischen Staat und Gesellschaft“ institutionalisiert.

Das Phänomen Putin ist ambivalent. In ihm kommen Gegensätze der politischen Kultur Rußlands zum Ausdruck. Zehn Jahre nach dem Ende des Kommunismus sind die Menschen in Rußland enttäuscht von der postsowjetischen Entwicklung. Sie schwanken zwischen autoritären und demokratischen Einstellungen. Der Streit zwischen Westlern und ihren Gegnern hat sich zugespitzt.

Trauer und Zorn über den Prestigeverlust der früheren Supermacht Sowjetunion inspirieren russische Schriftsteller zur Revision offizieller Geschichtsbilder. Sie produzieren immer kühnere Weltentwürfe. Einige Autoren füllen tatsächliche oder vermeintliche Leerstellen der Vergangenheitsbewältigung aus oder „korrigieren“ gängige Versionen vom Ablauf der historischen Ereignisse. Manche brechen dabei die letzten Tabus.
