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Der Elitendiskurs und die öffentliche Meinung in Rußland über die USA sind stark von Amerika-Bildern geprägt, wie sie in der UdSSR während des Ost-West-Konflikts entstanden. Der vorliegende Beitrag analysiert ihre ambivalente Struktur und ihre Funktionen für die Innenpolitik, die soziale Integration der Gesellschaft und nationale Identitätsbildung. Anti-Amerikanismus wird interpretiert als defensiv-konservative Reaktion auf innere und äußere Modernisierungsprozesse. Anhand empirischer Daten der Meinungsforschung werden die Dynamik der öffentlichen Meinung in Rußland gegenüber den USA von 1990 bis 2002 rekonstruiert und Spezifika des rußländischen Anti-Amerikanismus analysiert.

Das innenpolitische „System“ Putins beinhaltet den Kaderaustausch zur Machtsicherung, die Stärkung der Zentralgewalt durch die Schaffung von Föderalen Bezirken, die Einsetzung von Generalgouverneuren, die Schwächung des Föderationsrats sowie die Einräumung der Absetzungsmöglichkeit widerspenstiger Gouverneure, das Herausdrängen der Oligarchen aus der föderalen Politik, die Formierung der Medienlandschaft und wichtige Reformen wie die Parteienreform und die Justizreform. Wenn Putin beteuert, Rußland auf den westlichen Modernisierungsweg führen zu wollen, so ist das sicher ernst zu nehmen. Die Frage ist nur, ob er Demokratie und Marktwirtschaft lediglich im Interesse der Herrschaftssicherung einsetzen will oder ob er sich um ihrer Inhalte willen zu ihnen bekennt.

Der vorliegende Beitrag über die Landwirtschaft in Rußland untersucht eine Wirtschaftsbranche mit einer vergleichsweise schlechten Steuermoral. Obwohl der Landwirtschaft erhebliche Steuervergünstigungen eingeräumt wurden, gehört sie zu den größten Steuerschuldnern des Landes. Gleichzeitig versucht der Staat, die finanzielle Lage der Landwirtschaft durch Subventionen zu verbessern. Hier sollen nun Besteuerung und Subventionierung der Landwirtschaft analysiert werden. Nach der Darstellung der gesetzlichen Grundlagen folgt eine Untersuchung der Praxis von Subventionierung und Besteuerung, um Defizite der rechtlichen Bestimmungen und ihrer Umsetzung aufzuzeigen.

Unmittelbar nach dem 11. September 2001 war die ukrainische Führung außenpolitisch in großer Verlegenheit. Die von den USA erwartete, nun begrenzt vollzogene Unterstützung der Anti-Terror-Allianz stellte die jahrelang geltende Doktrin der außenpolitischen „Multivektoralität“ in Frage. Dagegen protestierten vor allem die Kommunisten. Zudem hatte die Ukraine seit dem Oktober 2000 die Zusammenarbeit mit Rußland verstärkt – ohne die „Multivektoralität“ aufgegeben zu haben. Nachdem Rußland sich im Afghanistan-Krieg als Partner des Westens profiliert hatte, erklärte die Ukraine überraschend am 23. Mai 2002, sie strebe längerfristig die volle NATO-Mitgliedschaft an. Ob diese Entscheidung der Ukraine auch zu größerer innerer Geschlossenheit verhelfen kann, bleibt abzuwarten.

Das März-Heft von OSTEUROPA mit seinem Themenschwerpunkt zum Phänomen des Rechtsradikalismus in Transformationsgesellschaften hat mit seinem einleitenden Aufsatz von Michael Minkenberg und Timm Beichelt und den nachfolgenden Länderanalysen eine Debatte angestoßen, in der die vergleichende Perspektive – bisher von der sozialwissenschaftlichen Transformationsforschung für diese Thematik kaum herangezogen – ebenfalls berücksichtigt wird.

Estland, der kleinsten Sowjetrepublik, gelang es, trotz kulturpolitischer Gleichschaltung und strenger Vorgaben durch die Regierung in Moskau, ein beträchtliches Ausmaß an kultureller Autonomie zu bewahren. Einen entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung hatten die privaten Sammler in Tallinn und Tartu, deren Engagement (vorwiegend) für die einheimische Kunst nur selten dem Diktat der Zentrale entsprach. Abseits des offiziell propagierten Sozialistischen Realismus orientierten sie sich großenteils an der estnischen Kunst der Zwischenkriegszeit und an der sich in der Nachkriegszeit formierenden Avantgarde, die – im Gegensatz zur herrschenden Praxis in der UdSSR – nicht in den Untergrund verbannt wurde. Das Spektrum der privat geförderten Kunst umfaßte aber auch internationale wie spezifisch russische Kunsttraditionen. Seit der Unabhängigkeit des Landes treten die lange im Verborgenen agierenden Kunstliebhaber an die Öffentlichkeit – mit Ausstellungen, Schenkungen und Museumsgründungen.

Wann und warum entstand in der Sowjetunion staatlicher Antisemitismus? Welche Formen nahm er vor allem während des Stalinismus an? Diesen Fragen widmet sich G.V. Kostyrčenkos Untersuchung „Tajnaja politika Stalina: vlast’ i antisemitizm“.

In dem Aufsatz werden Übersetzungen aus der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts dargestellt, die 2001 in deutschen, österreichischen und Schweizer Verlagen veröffentlicht wurden. Die Werke sind nach literarhistorischen, gattungsspezifischen und thematischen Gesichtspunkten geordnet und werden aus slawistischer Sicht kommentiert. Rezensionen aus überregionalen Presseorganen, die auszugsweise zitiert werden, sollen Schwerpunkte und Präferenzen der Rezeption erkennen lassen.
