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Litauen zu Gast
Vom Mythos der Mitte ins Zentrum des Interesses

Manfred Sapper, Jutta Unser, Margrit Breuer (Hg.)
Osteuropa 9-10/2002
Preis: 15,00 €
ISBN:

Coverbild

Manfred Sapper | 1123

Editorial
Litauen zu Gast - Vom Mythos der Mitte ins Zentrum des Interesses
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Daß Litauen in der Mitte Europas liegt, wird immer wieder gerne behauptet – natürlich auch in diesem Heft. Mit den Techniken und Instrumentarien einer exakten Geographie läßt sich das indes nicht beweisen. Immer hängt es von der gewählten Projektion, der Definition der maximalen geographischen äußeren Punkte oder von der Gewichtung von Landmasse zu Meer oder der Einbeziehung von Inseln ab, die vor dem Kontinent liegen. Ohne derartige normative Setzungen ist die Mitte nicht zu finden. Doch dem Kult um die Mitte geht es ohnehin nicht um geographische Präzision, sondern um ihre Mythologisierung. Ziel ist nicht weniger als die eigene Aufwertung durch die Zugehörigkeit zu der einen Gruppe von Ländern und die Abgrenzung von der anderen. Insofern ist die Suche nach der Mitte nicht durch Skepsis oder Einwände zu erschüttern. Kein Zweifel herrscht indes daran, daß Litauen in diesen Monaten in den Mittelpunkt des kulturellen und öffentlichen Interesses rückt. Die Entscheidung, Litauen als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2002 einzuladen, bietet dem Land im Baltikum eine enorme Chance. Die Buchmesse ist nicht nur eines der wichtigsten Kulturereignisse in Deutschland, sondern die weltgrößte Messe ihrer Art. Sie bietet dem Gastland ein einzigartiges Forum, um die eigene Literatur und Kultur vorzustellen. Bedeutender noch ist ihre Funktion als Katalysator. Schon im Vorfeld bündelt sie das öffentliche Interesse auf das Gastland, wovon Hunderte Medienberichte, Reportagen, Ausstellungen, Übersetzungen und Neuerscheinungen zeugen. Litauen bietet sich damit eine exzellente Gelegenheit, einen weiteren Schritt aus dem Schatten des Vergessens herauszutreten, in den es durch den Zweiten Weltkrieg, die Inkorporation in die Sowjetunion und durch den Ost-West-Konflikt geraten war. Selbstverständlich steht OSTEUROPA nicht abseits, wenn es um ein Land geht, das traditionell im Fokus der Zeitschrift und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde ist. OSTEUROPA könnte dies um so weniger, als immer wieder Klage geführt wird, daß die Kenntnisse in Deutschland über die aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Zeitgeschichte Litauens und der anderen baltischen Staaten schlechter sind als die über Polen, von Rußland ganz zu schweigen. Um hier Abhilfe zu schaffen, haben wir uns entschieden, nicht nur ein paar Beiträge, sondern Litauen ein ganzes Doppelheft zu widmen und zahlreiche Facetten zu behandeln. Dabei sollten alle Beiträge eine höhere Halbwertszeit haben, als dies im Tagesjournalismus und der schnellebigen Publizistik gewöhnlicherweise der Fall ist. Ein derartiges Länderheft von OSTEUROPA hat es bislang noch nicht gegeben. Das ist nicht die einzige Neuerung. Auch in anderer Hinsicht betritt OSTEUROPA Neuland: Um den besonderen Charakter dieses Länderheftes zu unterstreichen, erscheint OSTEUROPA zum ersten Mal nicht in der seit Jahrzehnten gewohnten typographischen Aufmachung. Das Titelblatt schmückt Ludomir Sleńdzińskis Gemälde mit dem Titel Oratorium, auf das Czesław Miłosz in seiner Erinnerung Wilna aufmerksam macht. Unter den zwanzig Autorinnen und Autoren ist die Hälfte aus dem Baltikum. Das bedeutete im Vorfeld zwar einen größeren kommunikativen und redaktionellen Aufwand zur Akquisition und Übersetzung der Beiträge, bringt aber einen höheren Informationsgewinn durch andere Perspektiven und fundierte Detailkenntnisse. Vor allem ist diese Internationalität der Autoren die unverzichtbare Voraussetzung, um in einen authentischen Ost-West-Dialog eintreten zu können. Die Darstellung und Analyse der litauischen Außen-, Europa- und Wirtschaftspolitik liegen ganz in litauischer Hand. Neben den gewohnten, interdisziplinären und fundierten wissenschaftlichen Analysen wie etwa Barbara Christophes luzider vergleichender Untersuchung der Nationalbewegungen in Litauen und Georgien oder Sigitas Babilius’ Beitrag über Energiepolitik bietet dieses Heft auch andere Genres: Essays prominenter Schriftsteller wie Tomas Venclova oder Czesław Miłosz, literarische Etüden wie die von Laurynas Katkus und Fabrice Larat. Dazu kommen literatursoziologische Informationen über den Buchmarkt von Remigius Misiūnas sowie Robert von Lucius’ Betrachtungen des literarischen Lebens, die nicht nur dem Anlaß des Heftes geschuldet sind, schließlich Linas Paulauskis’ Beitrag über das Musikleben in Litauen. OSTEUROPA beschreitet damit den Weg zu einer stärker auch Kultur vermittelnden Zeitschrift. Als Handreichung zur Lektüre aller Beiträge befindet sich im hinteren Einbanddeckel eine Übersichtskarte von Litauen. Natürlich deckt dieses Länderheft nicht alle Bereiche ab. Beiträge zur sozialen Lage, zur Landwirtschaft und Agrarpolitik, der größten Hürde in den noch ausstehenden Beitrittsverhandlungen zwischen Brüssel und Vilnius, zu NATO-Beitritt oder zu Umweltfragen, die bei der Entstehung der baltischen Unabhängigkeitsbewegungen Ende der 1980er Jahre Pate standen, fehlen. Das ist kein Problem – Fortsetzung folgt: OSTEUROPA ist eine Monatszeitschrift und wird auch in Zukunft regelmäßig über die Entwicklung in Litauen und im Baltikum berichten. Die Arbeit an diesem Heft war für alle Beteiligten ein Kraftakt, den die Redaktion alleine nie hätte bewältigen können. Stellvertretend für die Autoren und Übersetzer, die wie ein Uhrwerk harmonierten, sei einer Frau gedankt, ohne deren so unspektakuläre wie brillante Mitarbeit in Vilnius dieses Heft nicht existieren würde: Valerija Matulevičienė. Auch das ist ein Ergebnis der Wahl Litauens als Gastland der Buchmesse. Neue deutsch-litauische Kooperationsfelder sind entstanden. Ob die Zusammenarbeit an diesem Heft von OSTEUROPA auch inhaltlich Früchte trägt, entscheiden Sie, liebe Leserinnen und Leser. Schließen

Marianna Butenschön | 1125

„Wir sind viel europäischer, als man denkt“
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Im Sommer 1989, auf dem Höhepunkt der „singenden Revolution“ im Baltikum, entdeckten französische Kartographen den geographischen Mittelpunkt Europas rund 25 Kilometer nördlich der litauischen Hauptstadt Wilna. Die Erkenntnis, daß Litauen mitten in Europa und nicht irgendwo am Ural liegt, damals eine kleine Sensation, gewinnt durch die bevorstehende Aufnahme der baltischen Staaten in die Europäische Union Konturen. Die Osterweiterung wird notgedrungen von einer Osterweiterung des europäischen Denkens begleitet sein, in dem Litauen mit seiner langen Geschichte den ihm gebührenden Platz in der Mitte Europas wieder einnehmen wird. Schließen

Robert von Lucius | 1133

Schreiben als Akt nationalen Aufbegehrens
Jeder sechstausendste Litauer besitzt einen Verlag
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Litauen kann in seiner Kultur und Literatur auf eine alte Tradition verweisen. Durch die wechselhafte Geschichte – bis vor gut einem Jahrzehnt war der größte der drei baltischen Staaten erst von Nationalsozialisten und dann von der Sowjetunion besetzt – war die Literatur zerstückelt wie nur wenige, in die bodenständige und die Exilliteratur etwa. Erst Anfang der Neunziger entstand eine freie und blühende vereinte Literatur, eher Lyrik und Kurzgeschichten denn Romane, unbehindert von Selbstzensur und Zensur. So war die Entscheidung für Litauen als Gastland der Frankfurter Buchmesse auf beiden Seiten ebenso gewagt wie mutig. Kennzeichnend für den Hunger der Litauer nach künstlerischen und gedanklichen Anregungen aus dem Westen ist die Flut von Übersetzungen aus dem Englischen und Deutschen ins Litauische, der in umgekehrter Richtung nur wenig entspricht. Schließen

Remigius Misiūnas | 1143

Das Buch, der Buchmarkt und die Lesekultur
Litauen im Spiegel der Literatursoziologie
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Seit dem Erscheinen des ersten litauischen Buches im Jahre 1547 stieß das Verlegen von Büchern auf unterschiedliche politische Hindernisse. Eine Ausnahme waren die zwei Jahrzehnte des unabhängigen Litauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Wiedererlangung der litauischen Unabhängigkeit im Jahre 1990 schuf neue Voraussetzungen für das Verlagswesen. In kurzer Zeit entstand eine völlig neue Verlagsstruktur, in der neu gegründete private Verlage dominieren. Auch das Programm der Verlage hat sich bedeutend verändert. Ein neues Vertriebssystem des Buchhandels wird aufgebaut. In einem relativ kleinen Markt wie dem litauischen spürt das Verlagswesen die wirtschaftlichen Rückschläge des vergangenen Jahrzehnts, insbesondere die Folgen der Finanzkrise in Rußland im Jahr 1998, besonders stark. Schließen

Czesław Miłosz | 1165

Wilna

Laurynas Katkus | 1171

Es war einmal in Vilnius ...
Literarische Etüden über die litauische Hauptstadt der 1960er-1980er Jahre

Fabrice Larat | 1190

Litauens verkannter Beitrag
Vilnius als Kulisse einer "éducation européenne"

Linas Paulauskis | 1195

Čiurlionis’ Enkel
Das ABC der modernen litauischen Musik
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Die Geschichte der klassischen litauischen Musik ist vergleichsweise kurz und umfaßt nur ein Jahrhundert. Der vorliegende Beitrag bietet einen konzentrierten Überblick über die Entwicklungslinien, Kompositionsschulen und ihre Repräsentanten. Ausgangspunkt jeder Betrachtung ist das Werk des Komponisten und Malers Mikalojus Konstantinas Čiurlionis. Die sowjetische Besetzung, der Zweite Weltkrieg und die Inkorporation Litauens in die UdSSR unterbrachen die natürliche Entwicklung der litauischen Musik. In den sechziger Jahren öffnete sie sich für Kontakte mit der modernen Musik des Westens. Die Komponisten Eduardas Balsys und Julius Juzeliūnas waren die einflußreichsten Vertreter dieser Liberalisierung und Modernisisierung der litauischen Musik. Die bekanntesten lebenden Komponisten, die in dieser Zeit ihr Debut gaben, sind Vytautas Barkauskas, Bronius Kutavičius, Feliksas Bajoras, Osvaldas Balakauskas und Anatolijus Šenderovas. Mittlerweile sind jüngere Kompositionsschulen mit eigenem ästhetischen Selbstverständnis hinzugekommen: die „neuen Romantiker“ und die „Maschinisten“. Schließen

Tomas Venclova | 1209

Unabhängigkeit

Barbara Christophe | 1217

Nation als Ressource im Transformationsprozeß?
Litauen und Georgien im Vergleich
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Was sind die Ursachen für die so unterschiedlichen Transformationsverläufe in Litauen und Georgien? In vergleichender Perspektive untersucht der Beitrag die Struktur nationalistischer Diskurse in den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken. Bei den zur Konstruktion nationaler Identität verwendeten historiographischen Narrativen fördert die Analyse tiefgreifende Differenzen zutage. Während die litauischen Nationalisten im Zuge einer kritischen Aufarbeitung der eigenen Geschichte, die um die Frage nach den Ursachen für das frühere Scheitern der Eigenstaatlichkeit kreist, Nation-Building als eine auf die Dimension des Verhältnisses zwischen Staat und Gesellschaft bezogene Aufgabe der Gegenwart definieren, bleiben die Georgier der zu sowjetischen Zeiten gepflegten Tradition einer ungebrochenen Glorifizierung der Vergangenheit verpflichtet und identifizieren Nation mit traditionalen Mustern der Organisation sozialer Beziehung. In Litauen konnte Nationalismus während der Transformation zu einer Modernisierungsressource werden. In Georgien bereitete er nur einer reduzierten Reproduktion des sowjetischen Klientelismus den Boden. Schließen

Jakob Lemke | 1236

Zwölf Jahre, zwölf Regierungen
Akteure, Ereignisse, Spezifika der litauischen Politik
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Außenpolitisch steht Litauen kurz vor dem Erfolg: Der Beitritt zur Europäischen Union und der NATO, der seit der Unabhängigkeit des Landes das strategische Ziel aller Parteien und Regierungen war, ist zum Greifen nahe. Innenpolitisch ist der Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaft gelungen. Doch ein stabiles Parteiensystem existiert bis heute nicht. Personen und Netzwerke spielen eine wichtigere Rolle. Der Beitrag ruft in chronologischer Form die Entwicklungslinien der Transformation in Litauen sowie die wichtigsten Ereignisse in Erinnerung und porträtiert die wichtigsten Akteure der Politik. Schließen

Petras Auštrevičius | 1249

Kurz vor dem Ziel?
Litauen auf der Überholspur zum EU-Beitritt
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Angesichts der Tatsache, daß Litauen in der Führungsgruppe der Beitrittskandidaten bleibt, die 2004 Mitglied der Europäischen Union werden wollen, behandelt der Beitrag die bisherige Beitrittsstrategie des Landes, ihr Verhältnis zum eingeschlagenen Transformationspfad und die noch anhängigen Themen in den Beitrittsverhandlungen mit Brüssel. Die Perspektive einer EU-Mitgliedschaft wird nicht als ein Zweck an sich betrachtet, sondern als ein effektives Mittel, um die sozioökonomischen Strukturen des Landes zu modernisieren. In einem hohen Maße haben sich die Ziele der Transformation und der Integration gegenseitig verstärkt. Letztlich wird der Erfolg der Beitrittsverhandlungen davon abhängen, ob die Beitrittskandidaten und die EU einen tragfähigen Kompromiß werden finden können. Beide Verhandlungspartner sollten die Erweiterung ebenfalls weniger als einen Zweck an sich, sondern als Mittel verstehen. Das würde dazu beitragen, glaubhafte Erwartungen und Prioritäten über den Horizont der Mitgliedschaft hinaus zu entwickeln. Schließen

Gediminas Vitkus | 1259

Die litauische Ostpolitik
Grundsätze und Probleme
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Das von der litauischen wie auch seinerzeit von der deutschen Ostpolitik verfolgte wichtigste Ziel ist die Normalisierung der Beziehungen zu seinen östlichen Nachbarn. Das Hauptinteresse Litauens in den Beziehungen mit Rußland besteht darin, den Status quo eines unabhängigen Staates zu verankern und dabei die Rußländische Föderation zu bewegen, Litauen nicht als vorübergehend „verlorenes Gebiet“, sondern als endgültig anderen Staat zu betrachten. Die Erfahrung der letzten zehn Jahre zeugt davon, daß dies nicht so einfach ist. Ungeachtet des Abzugs der rußländischen Truppen aus Litauen sind die Beziehungen beider Länder bis heute nicht endgültig normalisiert. Das Grenzabkommen wartet immer noch auf die Ratifizierung. Dabei ist wiederholt das Problem des Transits nach Kaliningrad entstanden. Die wichtigste Ursache der nicht wesentlich verbesserten zwischenstaatlichen Beziehungen liegt wohl in der gegensätzlichen Einstellung Litauens und Rußlands hinsichtlich der Sicherheitsfragen und der eventuellen NATO-Erweiterung. Daher kann mit wesentlichen Änderungen in den Beziehungen mit Rußland oder gar einer endgültigen Wende zur Normalisierung dieser Beziehungen erst mit der Aufnahme Litauens in die NATO und in die Europäische Union gerechnet werden. Schließen

Ago Tiiman | 1274

Die Grenzverträge zwischen Rußland und den baltischen Staaten
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Bisher existiert zwischen keinem der baltischen Staaten und Rußland ein unterzeichneter und ratifizierter Grenzvertrag. Für die Beziehungen entlang der künftigen Ostgrenze der Europäischen Union bedeutet dies weniger ein technisch-administratives Problem als vielmehr ein politisches. Wie sich bereits in dem zehnjährigen Verhandlungsprozeß der Grenzverträge abzeichnet, ist die Materie ein Spielball für die politischen Beziehungen. Rußland hat mit der Blockade der Grenzverträge immer wieder seine Hegemoniebestrebungen demonstriert. Insbesondere Estland und Lettland fehlt eine konstruktive Ostpolitik, um das Verhältnis zu Rußland einschließlich der Grenzverträge zu regeln. Der Entwicklungsverlauf und der Unterschied zwischen Estland und Lettland auf der einen Seite und Litauen auf der anderen Seite machen die Grenzverträge zu einem Lackmustest der baltisch-rußländisch-europäischen Beziehungen. Wie der Autor basierend auf seiner zehnjährigen internen Kenntnis im estnischen Außenministerium verdeutlicht, liegt das Hauptproblem weniger in den fehlenden Verträgen als in der damit zusammenhängenden Instrumentalisierung. Schließen

Povilas Gylys | 1288

Die politische Ökonomie der Transformation in Litauen
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Entwicklung und Ergebnisse jeder wissenschaftlichen Fragestellung hängen vom Erkenntnisrahmen ab. Im folgenden wird die Transformation Litauens durch eine kognitive Linse betrachtet, die Ökonomen in der Regel nicht verwenden. Dadurch ergibt sich ein neues Bild. Unter Rückgriff auf Adam Smith’ Tradition der politischen Ökonomie wird eines der grundlegenden ökonomischen Kategoriepaare, die Unterscheidung von privaten und öffentlichen Gütern, verwendet, um die Transformations-ökonomie zu analysieren und die Frage, worauf der Wohlstand einer Nation beruht: Öffentliche Güter haben in den Wirtschaftswissenschaften ihren legitimen Platz verloren, da sie implizit als unökonomisch gelten. Dagegen stellt die Einbeziehung der öffentlichen Güter in die Analyse eine zentrale Voraussetzung für ein realistischeres Verständnis aller wirtschaftlichen Prozesse in Litauen dar. Schließen

Sigitas Babilius | 1306

Ans Rohr gebunden . . .
Energiepolitik und Energiewirtschaft in Litauen
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In Litauen verabschiedet man sich langsam von dem Bestreben, die Abhängigkeit von Rußland zu vermindern. Die Integration in die Europäische Union führt in energiewirtschaftlicher Hinsicht zu einem paradoxen Ergebnis: Je weiter die Einbindung in westliche Strukturen voranschreitet, desto stärker wird Litauens Abhängigkeit von Rußland. Schließen

Ruth Leiserowitz | 1319

Klaipėda
Vom Memelland zur Region Westlitauen
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Auch in Litauen spielen Regionen eine bedeutende Rolle. Der vorliegende Beitrag lenkt den Blick auf Westlitauen. Als Fenster zum Westen hat die Region mit ihrem Zentrum Klaipėda die Chancen der Unabhängigkeit genutzt. Bis in die Spätphase der Sowjetunion von Auslandskontakten nahezu abgeschlossen, ist in der vergangenen Dekade eine bemerkenswerte politische und wirtschaftliche Dynamik in Stadt und Region zu beobachten, die auch für die transregionale Kooperation mit anderen Ostseeanrainern von Bedeutung ist. Schließen

Letas Palmaitis | 1326

Juden in Litauen
Ein Abriß über die Geschichte der Lite und die Blütezeit der jüdischen Kultur 1918–1941
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Die litauischen Juden waren der Teil der Ostjuden, der über 600 Jahre auf dem Territorium des Litauischen Großfürstentums lebte. Das Gebiet, auf Jiddisch Lite genannt, umfaßt das heutige Litauen, Südlettland, Belarus’ und Teile der Ukraine. Seine jüdischen Bewohner waren Litvaks. Die Blütezeit der jüdischen Kultur fällt mit der Zeit der Republik Litauen zusammen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts avancierte eine Reihe herausragender litauischer Juden zu weltbekannten Bildhauern, Malern und Musikern. Dieses Goldene Zeitalter der litauischen Juden hatte drei Ursachen: Litauen und Belarus’ waren seit dem 18. Jahrhundert Zentrum der Ostjuden; die Republik Litauen garantierte den Angehörigen ethnischer Minderheiten nicht nur die bürgerlichen Rechte einer demokratischen Gesellschaft, sondern förderte die Kulturautonomie auch materiell, und die litauischen Juden bauten ein perfektes Bildungssystem auf. Dieses blühende jüdische Leben wurde durch den Holocaust vernichtet. Eine der Ursachen, die zu der besonders grausamen Form des Holocaust in Litauen beitrug, war die moralische Unreife und mangelnde Entschlossenheit einer sehr großen Zahl der ethnischen Litauer, ihre eigene nationale und staatliche Würde im Angesicht der aggressiven imperialistischen Politik ihrer stärkeren Nachbarn zu verteidigen. Schließen

Manfred Sapper | 1338

Das Antlitz des ermordeten Volkes
Anmerkungen zu den Fotos von M. Vorobeichic

Joachim Tauber | 1346

„Juden, Eure Geschichte auf litauischem Boden ist zu Ende!“
Litauen und der Holocaust im Jahr 1941
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Die Ermordung der litauischen Juden zwischen Juni und Dezember 1941 bildet seit einigen Jahren den Schwerpunkt einer öffentlichen Diskussion in Litauen, die unter den Vorzeichen einer „Aufarbeitung der Vergangenheit“ steht. Nur zögernd stellt sich das Land der Frage nach der litauischen Beteiligung an dem von der deutschen Besatzungsmacht initiierten, geplanten und durchgeführten Massenmord. Der folgende Beitrag gibt einen ersten Überblick über die Forschungen der letzten Jahre, die nicht zuletzt auf die Aktivitäten der „Kommission für die Erforschung nationalsozialistischer und sowjetischer Verbrechen in Litauen“ beim Präsidenten der Republik Litauen zurückzuführen sind. Bereits die jetzt vorliegenden Ergebnisse lassen erkennen, daß der litauische Anteil am Holocaust nicht allein auf die litauischen Hilfspolizeibataillone beschränkt werden kann. Schließen