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Kiew ist auf einer Reise zu sich selbst, ein weiteres Mal im Nebel, den manchmal ein Blitz vom Himmel durchzuckt, es rast über die Achse der Zeit, wickelt die Spule der Geschichte ab und rollt sie wieder zusammen, bemächtigt sich immer schneller der verlorenen Teile der Zeit. Es ist ganz mit dem Kampf ums Überleben beschäftigt. Doch zum ersten Mal ist das wohl kein Kampf mehr um Leben und Tod. Nach Kiew kommt man nicht ungestraft, und man verläßt es nicht unbeschenkt.

In den Jahren 1991 bis 1995 führten die Republiken Litauen und Belarus dasselbe Motiv im Staatswappen: einen Reiter mit Schwert und Schild, der Staatssymbol des gemeinsamen Vorgängerstaats, des Großfürstentums Litauen, war. In Litauen ist der Reiter bis heute Staatssymbol, in Belarus hingegen wurde er 1995 von Präsident Lukašėnka durch neosowjetische Motive ersetzt. Damit verbunden war eine öffentliche Diskussion über die bis heute unabgeschlossene Verortung von Belarus zwischen Ost und West. Geschichte war dabei Mittel zur Bildung kollektiver Identität und Waffe im politischen Kampf.

Die Bürger der neuen Mitgliedstaaten der EU haben den EU-Beitritt mit deutlichen Mehrheiten befürwortet. Wird diese Zustimmung auch in Zukunft Bestand haben? Eine Analyse der in den vergangenen Jahren in Umfragen ermittelten Akzeptanz zeigt, daß diese vor allem auf Kosten-Nutzen-Erwägungen zurückzuführen ist. Die soziodemographische Varianz ist dabei äußerst niedrig. Länderspezifische Unterschiede sowie Trendschwankungen hingegen erklären sich aus einem aktualisierten historischen Kontext. Gerade die große Rolle von Nutzenkalkülen läßt erwarten, daß die positive Haltung zur EU-Mitgliedschaft besonders dort sinken wird, wo hohe wirtschaftliche Erwartungen enttäuscht werden.

Die EU-Kommission hat ein Strategiepapier zur Gestaltung der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) vorgelegt, um das Verhältnis der EU zu ihren neuen direkten Anrainern im Osten Europas und am südlichen Rand des Mittelmeeres zu strukturieren. Die Kommission schließt dabei eine Beitrittsperspektive für diese Länder aus. Sie möchte mit jedem Partnerland einen Aktionsplan erstellen, der klare Zeitabläufe und Konditionen enthalten, aber auch den Interessen des jeweiligen Ziellandes Rechnung tragen soll. Langfristig strebt die Kommission die Integration der Partnerländer in den EU-Binnenmarkt sowie in diverse EU-Programme an. In der neuen Finanzperiode der EU ab 2007 soll für die ENP deutlich mehr Geld zur Verfügung gestellt werden.
