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Am 14. August 2004 ist der Literaturnobelpreisträger Czesław Miłosz in Krakau gestorben. Sein gesamtes Werk kann verstanden werden als Versuch, den prekären Lauf der Geschichte, die modernen Ideologien und die eigene Biographie einer kontinuierlichen Deutung zu unterziehen. Miłosz’ Essays und Gedichte zeichnen sich durch einen eigenartigen Autobiographismus aus, in dem das Ich bisweilen direkt als Subjekt der Erzählung auftritt, öfter aber auch nur in mehrfacher Brechung und Spiegelung als narrativer Fluchtpunkt erahnbar ist. Als junger Autor befürwortete er ein elitäres Dichtungskonzept, von dem er sich aber bereits Mitte der 1930er Jahre wieder verabschiedete. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er in den Dienst des kommunistischen Regimes. Im Jahr 1951, auf dem Höhepunkt des polnischen Stalinismus, lief er in den Westen über. Nach einer vorübergehenden Begeisterung für esoterische Konzepte in den 1970er Jahren wandte er sich in den letzten Jahren seines Lebens einem konservativen Katholizismus zu.

Der Warschauer Aufstand des Spätsommers 1944 markiert den tragischsten Einschnitt in der Geschichte der polnischen Hauptstadt im 20. Jahrhundert. Er begann als ein riskanter Versuch der im Untergrund kämpfenden Heimatarmee, angesichts der herannahenden Roten Armee die Stadt in einem überraschend geführten Handstreich aus eigener Kraft von der verhaßten deutschen Besatzung zu befreien. Von jeglicher wirkungsvollen Hilfe isoliert, kämpfte die Stadt bis zum Oktober 1944 einen verzweifelten und verlustreichen Kampf, der sich in militärischer Hinsicht gegen die deutsche Besatzung, in politischer Perspektive indes gegen die UdSSR richtete. Nach Ende des Aufstandes wurde die Stadt planmäßig entvölkert und systematisch dem Erdboden gleichgemacht.

Das abgegriffene Schlagwort der 'Russischen Idee' hat im heutigen Rußland Hochkonjunktur. Von philosophischen Abhandlungen bis in den politischen Jargon findet es die unterschiedlichsten Lesarten. Es geht hier nicht darum, diese zu inventarisieren. Vielmehr wird der Rückgriff auf die /Russische Idee/ unter dem Aspekt der postsowjetischen Identitätskonstruktion und der damit verbundenen Suche nach Normen und Wertvorstellungen aufgezeigt. An einigen Beispielen wird der Frage nachgegangen, ob die /Russische Idee/ die Identitätssuche oder ein ideologisches staatspatriotisches Konstrukt bedient, oder ob nicht beide dank der von der /Russischen Idee/ vermittelten historischen „Erinnerung“ aufs engste miteinander verbunden sind.

Rußlands politische Entwicklung löst bei langjährigen internationalen Beobachtern zunehmend das Gefühl eines déjà-vu aus. Die Intransparenz der Entscheidungen, der Durchgriff der „Machtvertikale“ ohne jegliche parlamentarische Kontrolle, die Demontage der Pressefreiheit und der Fall Jukos lassen kaum mehr Zweifel daran: Rußland tappt in die Falle eines neuerlichen Autoritarismus. Putins glänzendes Image und wohlinszenierte diplomatische Großereignisse sollten den Blick auf die gravierenden Strukturprobleme in Wirtschaft und Gesellschaft und die Folgen dieser Renaissance zentralisierter bürokratischer Herrschaft nicht verstellen. Wer darauf verzichtet, den neuen Autoritarismus in Rußland zu kritisieren, unterschätzt dessen außenpolitischen Implikationen.

Der Krieg in Tschetschenien dauert an. Die unterlegenen Rebellen agieren als Guerilla mit asymmetrischen Kampfformen. Dazu gehören neben dem Kampf mit modernstem militärischen Know-how auch Selbstmordanschläge. Ziel ist es, dem Gegner einen Abnutzungskrieg aufzuzwingen. Auf beiden Seiten eskaliert die asymmetrische Kriegführung. Zu beobachten ist eine Mediatisierung des Konfliktes: Dies führt in der Öffentlichkeit zur Relativierung und im Felde zur Brutalisierung und Verlängerung des Krieges.

Die Rentenreform in Ostmitteleuropa erfolgt im Rahmen des weltweiten Paradigmenwechsels von der staatlichen, umlagefinanzierten zur individuellen Vorsorge. Trotz einiger Gemeinsamkeiten ist das Ausmaß privater Beteiligung von Land zu Land verschieden. Verantwortlich dafür sind der Widerstand von Interessengruppen und die mangelnde Strategiefähigkeit der Regierungen.

Weder hat sich die Prognose vom „Ende der Geschichte“ bewahrheitet, noch haben die Hinterlassenschaften des Sozialismus zu einer gleichförmigen Entwicklung in Osteuropa geführt. Die Region ist vielmehr durch heterogene Entwicklungswege gekennzeichnet. Angesichts einer solchen „Welt in Stücken“ stellt sich die Frage nach dem Nutzen und Nachteil des heuristischen Raumkonzeptes „Osteuropa“. Der Nutzen des Osteuropabegriffs besteht darin, daß er die Differenz aufzeigt und die Chance birgt, in Westeuropa oder den USA entwickelte Forschungskonzepte auf ihre Anwendbarkeit zu prüfen. Der Nachteil ist darin zu sehen, daß er geschichts- und sozialwissenschaftliche Forschung einseitig auf eine von vielen möglichen Differenzen festlegt.

Verbände von Opfern stalinistischer Repressionen sind ein fester Bestandteil der postsozialistischen Gesellschaften. Wegen unterschiedlicher Geschichts- und Nationsbilder sowie der unterschiedlichen Größe der Verbände divergiert auch ihre politische Bedeutung. Dies zeigt der Vergleich zwischen Litauen und den neuen Bundesländern.

Drei Romane fanden im vergangenen Jahr bei den russischen Lesern und Kritikern eine besonders starke Resonanz. Dmitrij Bykovs /Orfografija /wurde als indirekte polemische Auseinandersetzung mit dem Thema „Intelligenz und Imperium“ gelesen, Viktor Pelevins /Čisla /als „homerische Tragifarce“ und soziale Satire auf das postsowjetische Rußland verstanden, Andrej Volos’ /Maskavskaja Mekka/ als anti-utopische satirische Phantasmagorie interpretiert. Bei der Vergabe der großen Literaturpreise blieben alle drei unberücksichtigt. Wieder einmal hat sich die gelenkte Ablehnung „ideologischer“ Romane durchgesetzt, die durch den Rückgriff auf geschichtliche Analogien oder den Einsatz von Ironie und Satire widerspruchsvolle Themen von politischer Brisanz aufgreifen und gesellschaftliche Tabus unterlaufen.
