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Kooperation trotz Konfrontation
Wissenschaft und Technik im Kalten Krieg

Manfred Sapper, Volker Weichsel mit Klaus Gestwa, Stefan Rohdewald (Gastherausgeber) (Hg.)
200 Seiten, 62 Abbildungen
Berlin (BWV) 2009 [=OSTEUROPA 10/2009]
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-8305-1706-1

Coverbild

Editorial | 3

Dialektik der Aufrüstung
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Stefan Rohdewald Klaus Gestwa | 5

Verflechtungsstudien
Naturwissenschaft und Technik im Kalten Krieg
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Klaus Gestwa Boris Belge | 15

Wetterkrieg und Klimawandel
Meteorologie im Kalten Krieg
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Slava Gerovitch | 43

Die Beherrschung der Welt
Die Kybernetik im Kalten Krieg
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Jens Niederhut | 57

Grenzenlose Gemeinschaft?
Die scientific community im Kalten Krieg
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Igor J. Polianski | 69

„Das Lied vom Anderswerden“
Lysenko und die politische Semantik der Vererbung
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Simon Donig | 89

Vorbild und Klassenfeind
Die USA und die DDR-Informatik in den 1960er Jahren
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Frank Dittmann | 101

Technik versus Konflikt
Wie Datennetze den Eisernen Vorhang durchdrangen
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Klaus Gestwa | 121 | Volltext

„Kolumbus des Kosmos“
Der Kult um Jurij Gagarin
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OSTEUROPA, 10/2009, S. 121-151

KLAUS GESTWA
„KOLUMBUS DES KOSMOS“
DER KULT UM JURIJ GAGARIN

GAGARIN GAB DEM KOMMUNISMUS EIN STRAHLENDES GESICHT. ALS JETSETTER DER GLOBALEN SOWJETISCHEN CHARME-OFFENSIVE ERZIELTE ER GROßE ERFOLGE. IM ZUGE DER ENTSTALINISIERUNG DIENTE DER KOSMONAUTENKULT DAZU, DEN INSTITUTIONALISIERTEN HEROISMUS UND DEN KULTURELLEN KOSMOS DER SOWJETMENSCHEN DEN NEUEN ZEITUMSTÄNDEN ANZUPASSEN. DIE OFFIZIELLE MOSKAUER GESCHICHTSPOLITIK NUTZT DEN KOSMONAUTENKULT NOCH HEUTE, UM DIE RUSSLÄNDISCHE GESELLSCHAFT ZUSAMMENZUHALTEN.

Als Ende der 1990er Jahre die obligatorischen Rückblicke auf das Jahrhundert allerorten die Medien beschäftigten, schien die Systemkonkurrenz des Kalten Krieges wieder virulent. Während im Westen die Apollo-Mondlandung 1969 als das herausragende Ereignis des 20. Jahrhunderts präsentiert wurde, machten russische Medien den Anspruch geltend, die Sowjetunion habe mit technologischen Pionierleistungen die kosmische Ära eingeleitet. Die Moskauer Jahrhundertsynopsen stellten den ersten bemannten Weltraumflug am 12. April 1961 als die Sternstunde der Menschheit im vergangenen Jahrhundert heraus. Sie feierten Jurij Gagarin erneut überschwenglich als „Kolumbus des Kosmos“ . Hier klang unüberhörbar die Euphorie darüber nach, die USA bei einem so prestige- und zukunftsträchtigen Unterfangen wie der Eroberung des Himmels zeitweise hinter sich gelassen zu haben. Die angebliche Überlegenheit sowjetische Technik war für viele eine Schutzmauer gegen die übermächtig erscheinende Welle kultureller Globalisierung. Deshalb verwundert es nicht, dass die russländische Staatsduma 1998 nach einer hitzigen Debatte die Ausstrahlung des Hollywood-Blockbusters Armaggedon untersagte, weil dieser Action-Streifen angeblich das Ansehen der Kosmonauten beschmutze und die heroischen Leistungen der sowjetischen Raumfahrt verleugne.
Wie heilig das Gedenken an Jurij Gagarin im postkommunistischen Russland geblieben ist, verdeutlichte ein Skandal um einen weiteren Spielfilm. Diesmal ging es um Andrej Panins und Tamara Vladimircevas Vnuk Gagarina (2007), einem von aufklärerisch-humanistischen Idealen getragenen Plädoyer gegen Rassismus und Rechtsradikalismus. Held des Films ist ein dunkelhäutiger 13jähriger Waisenjunge namens Gena Gagarin, der sich als pubertierender Teenager in einer Welt zu Recht finden muss, die ihn wegen seiner Hautfarbe ausgrenzt. Auf seiner verzweifelten Identitätssuche flüchtet Gena sich in die Vorstellung, er sei der Enkel des ersten sowjetischen Kosmonauten, der auf einer seiner vielen Auslandsreisen in Kamerun mit einer schwarzen Frau ein Kind gezeugt habe. Obwohl der Film Gagarins Vaterschaft unmissverständlich als Produkt kindlichen Wunschdenkens darstellt, zogen die Töchter des Kosmonauten wegen Verunglimpfung und Verleumdung ihres Vaters gegen die Regisseure vor Gericht. Ihrer Klage wurde stattgegeben und die Ausstrahlung des Films untersagt. Das Urteil zeigte, dass der künstlerischen Freiheit im postkommunistischen Russland enge Grenzen gesetzt sind, wenn es um das Allerheiligste geht, was die Sowjetgeschichte zu bieten hat. Bei Jurij Gagarin und den Helden der sowjetischen Raumfahrt hört der Spaß auf: Ihre sakrale Aura darf keinesfalls beschädigt werden.

POSTMODERNE HELDENDEMONTAGE

Allerdings war es um den Kosmonautenkult lange Zeit nicht gut bestellt. In den 1980er Jahren hatten sich im kulturellen Underground nonkonformistische Vertreter der letzten sowjetischen Generation der Politikone Gagarin angenommen, um durch ironische Überidentifizierung und Verfremdung die Doppelbödigkeit von Politik und Moral, das eklatante Auseinanderklaffen von offiziell verkündetem Ideal und verdrängter Realität zu entlarven. Anfang der 1990er Jahre erreichte die postmoderne Dekonstruktion ihren Höhepunkt: In der Presse erschienen Artikel, die Gagarin nicht nur als Trinker und Frauenheld darstellten, sondern sich sogar zu der blasphemischen Behauptung verstiegen, seine Erdumkreisung habe niemals stattgefunden; sie sei lediglich die moderne Variante eines „Potemkinschen Dorfes“ gewesen.
In dieser Epoche der Symbol- und Heldendemontage war es der Literat Viktor Pelevin, der in seinem 1993 erschienenen Roman Omon Ra eine meisterliche Satire über die sowjetische Erfindung des Kosmos vorlegte und den Mythos mit unbändigem Spaß am Absurden gnadenlos entzauberte. Pelevin, der im Sputnik „das vierschwänzige Spermatozoon einer dann doch nicht eingetretenen Zukunft“ sieht, entwirft mit seiner Hauptfigur Omon ein personifiziertes Kondensat des gesamten sowjetischen Pantheons mit seinen stalinistischen Fliegerhelden, seinen aufopferungsvoll kämpfenden Kriegsheroen und seinen kühnen Kosmonauten. Dieser „treue Falke der Heimat“ muss schließlich erkennen, dass seine ruhmreiche Mondfahrt im Moskauer Metrotunnel nur simuliert wird. So wird der Roman zum Offenbarungseid einer totalitären Gesellschaft, die sich in ihrer Legitimationssucht und Mobilisierungswut einem archaisch-obskuren Helden- und Opferkult verschrieben hatte.
Doch obwohl während der Zerfallsdekade des Sowjetimperiums kräftig an seinem Denkmal gerüttelt worden war und der ewig lächelnde Strahlemann der Sowjetgeschichte einige Kratzer abbekommen hatte, blieb es Gagarin – anders als manchem anderen Opfer des Perestrojka-Bildersturms – erspart, als nicht-recyclebarer politisch-kultureller Weltraummüll zu enden. Nach einem kurzen Aufenthalt in der ideologischen Schwerelosigkeit schaffte er als außerirdische Lichtgestalt den erfolgreichen Wiedereintritt in die postkommunistische Welt. So feierten russländische Demokraten den „roten Kolumbus“ als Kämpfer für Frieden und Menschenrechte, der 1968 durch einen inszenierten Flugzeugabsturz vom sowjetischen Geheimdienst ermordet worden sei, weil er sich mit seiner bevorstehenden Rede bei der UNO publikumswirksam auf die Seite der Dissidenten habe stellen wollen. Besonders um Gagarins bis heute immer noch nicht restlos aufgeklärten Unfalltod ranken sich wilde Verschwörungstheorien.

GAGARIN GOES TECHNO

In Abgrenzung zur letzten sowjetischen Generation, die gern kulturelle Abrisskommandos in Position gebracht hatte, bemühte sich die neue Techno-Subkultur in den 1990er Jahren um einen unverkrampften, versöhnlichen Umgang mit der Sowjetgeschichte. Die selbsternannten Repräsentanten der ersten postkommunistischen Generation formten ihre soziale Identität mit symbolischer Kreativität. Zu den Gründungsevents dieser neuen Jugendkultur gehörten die sogenannten „Gagarin-Parties“, die 1991 und 1992 auf der VDNCh, der Moskauer Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft gefeiert wurden. Dieses in Stein gehauene sozialistische Erntedankfest war ein Panoptikum sowjetischer Mythen, ein „von Heroen bevölkertes Disneyland“. Als zentraler Schrein pries der Kosmos-Pavillon eindrucksvoll die lichte Zukunft des Kommunismus. Mit seinen gigantischen Kosmonautenporträts drängte er sich geradezu auf als Schauplatz für die Inszenierung einer theatralisch-spielerischen Nostalgie, die in allen ehemaligen Ostblockländern aufblühte.
Die Moskauer Raver griffen auf die aus den sowjetischen Subkulturen tradierte kulturelle Inversion zurück, verzichteten aber bewusst auf jedwede systemkritische oder systemtreue Konnotation, ja auf alles Politische. Die Trivialisierung der pompösen sowjetischen Fortschrittsrhetorik diente zum einen dazu, Gagarin vom überholten ideologischen Pathos als Heilsbringer des Kommunismus zu befreien, um ihn als wahren „Volkshelden“ und „Techno-Ikone“ neu zu erfinden. Zum anderen war der Umgang mit dem größten aller sowjetischen Helden ein wohlwollender und humorvoller, der sich dezidiert vom antisowjetischen Impetus und der bitter-ironischen Heldendemontage der Perestrojka-Zeit abhob. Das befreiende Lachen und ekstatische Tanzen holte Gagarin sowohl vom Sockel als auch vom Pranger und brachte ihn zurück in den jugendlichen Bilderkosmos. Die scheinbar absurde Kombination ehemaliger sowjetischer Machtinsignien mit der hypermodernen Ästhetik der rebellischen Raver-Kultur machte eine entpolitisierte Sowjetgeschichte wieder gesellschafts- und zukunftsfähig und stellte zugleich ein anschauliches Beispiel für die eigentümlichen Symbol-Samples postkommunistischer Mischidentitäten dar.
SOWJETPATRIOTISMUS RELOADED: GAGARIN MINUS GULAG
Als sich der damalige russländische Präsident Vladimir Putin am 5. Dezember 2000 im Streit um die Nationalhymne für die Rückkehr zur Melodie der alten Sowjethymne aussprach, rief er die russischen Bürger auf, nach einer Zeit der Dämonisierung endlich wieder stolz auf ihre sowjetische Vergangenheit zu sein. Statt an die brutale Lagerwelt und den grausamen Staatsterror solle man sich wieder an die großartigen Leistungen der Sowjetunion erinnern. Damit griff der gerade neu ins Amt gewählte Präsident die weit verbreitete „Supermacht-Nostalgie“ auf. Er vereinnahmte den Kosmonauten Gagarin zur patriotischen Neudeutung der Sowjetgeschichte, um dem als schmerzlich empfundenen Identitätsverlust entgegenzuwirken und der Sehnsucht vieler Russen nach der klar definierten, Geborgenheit suggerierenden Symbolwelt der Sowjetzeit zu entsprechen.
Fünf Monate später katapultierten zwei Ereignisse die Raumfahrt vollends zurück ins nationale Bewusstsein. Ende März 2001 wurde die altgediente Weltraumstation Mir zum kontrollierten Absturz gebracht – was wie ein technologisches Requiem live im Fernsehen übertragen wurde. Studenten der Moskauer Technischen Hochschulen protestierten vor dem Haupteingang der Duma gegen diese Schmach und die als Demütigung empfundene westliche Berichterstattung.
Der trotzig-zuversichtliche Spruch auf ihrem Transparent („Wir bauen unsere, die neue Welt“) stammte aus der Internationale – zur Freude der russländischen Kommunisten, die darin ein Zeichen dafür erkennen wollten, dass der Enthusiasmus vergangener Generationen und Epochen weiterlebe.
Zwei Wochen später, am 12. April 2001, beging Russland dann das 40jährige Jubiläum von Gagarins erstem Flug ins All. In einer Zeit, da der Nationalstolz arg gebeutelt war, stärkte die Erinnerung an die kosmische Pioniertat den Glauben an die ungebrochene Größe Russlands. Nachdem die Familie Gagarin aus Verbitterung über den unaufgeklärten Unfalltod des „ersten Kosmonauten“ zuvor alle Avancen des Kremls abgelehnt hatte, begab sie sich nun auf die politische Bühne. Putin machte ihr höchstpersönlich seine Aufwartung und ernannte Gagarins Tochter Elena zur Chefin der Kreml-Museen. Damit sicherte er sich den Beistand der Familie, um sich fortan besser des guten Rufs Gagarins bedienen zu können. Das geschönte Geschichtsbild des Kremls, vom deutschen Politikwissenschaftler Heinrich Vogel auf die treffende Formel „Gagarin minus Gulag“ gebracht, erhielt damit endgültig seinen verordneten Rahmen. Die Errungenschaften und Erfolge, weniger die Verbrechen und Katastrophen der Sowjetgeschichte gelten seitdem den Polittechnokraten im Kreml als besonders erinnerungswürdig.
TRANSNATIONALER RAUMFAHRERKULT
Angesichts der noch nicht abgeschlossenen postsowjetischen Identitätsfindung und der ungebrochenen Faszination für bemannte Weltraumflüge überrascht die Aktualität des Kosmonautenkults kaum. Die im heutigen Russland gepflegte Erinnerungspolitik gründet auf einer Kultur der Propaganda, die sich als Teil der Lebensgeschichte mehrerer sowjetischer Generationen im kollektiven Gedächtnis festgesetzt hat und sich auch in Zeiten des Wandels als attraktives Identitätsangebot abrufen lässt. Symbolpolitische Kontinuität soll so nationalen Zusammenhalt schaffen.
Eine zeithistorische Analyse des postkommunistischen Kosmonautenkults eröffnet zwei wichtige Perspektiven auf die Geschichte des Kalten Krieges. Erstens führt sie zurück in die frühen 1960er Jahre, eine Zeit, als die Manager der sowjetischen Bewusstseinsindustrie überzeugt waren, mit dem Anbruch der „kosmischen Ära“ würde der Übergang zum Kommunismus eingeleitet. Chruščev sah sich selbstbewusst als „Totengräber des Kapitalismus“, und westliche Politiker wurden von der Angst ergriffen, ihre Länder könnten nicht nur beim Wettlauf ins All vom Fortschritt im Osten abgehängt werden. Der erste sozialistische Staat auf Erden erschien den Zeitgenossen keineswegs als Auslaufmodell, sondern als Wegbereiter der Zukunft. Ein solcher Blickwinkel bietet ein wichtiges Korrektiv zum westlichen Triumphalismus der „Reagan victory school“, dessen Protagonisten die Geschichte des Kalten Krieges von ihrem Ende her betrachten. Sie suchen in den poststalinistischen Jahrzehnten vor allem frühe Anzeichen der schleichenden Erosion des Sowjetsystems. Das führt zu einer verkürzten Sicht und lässt die zentrale Frage ungeklärt, warum der sowjetische Parteistaat trotz seiner eklatanten Systemdefizite bis 1991 Bestand hatte und noch heute mit seinen Propagandabotschaften den postkommunistischen Zeitgeist prägen kann.
Zweitens thematisiert die zeithistorische Analyse des postkommunistischen Kosmonautenkults den Kalten Krieg als weltpolitischen Großkonflikt, der tief in die einzelnen Gesellschaften hineinwirkte. Das schärft den Blick für das vielschichtige Zusammenspiel von sozialem Wandel und globalen Herausforderungen. Bei aller Feindschaft bekämpften sich die Gesellschaften des Westens und des Ostens nicht nur, sie nehmen stets auch aufeinander Bezug. Nicht nur Partnerschaft, auch Gegnerschaft verbindet. Ein solches blockübergreifendes Denken gibt den Blick auf die Konkurrenz- und Spannungssituation des Kalten Krieges frei, um sie eingehender als formativen Faktor sowjetischer Gesellschaftsgeschichte zu analysieren.

„GEWÖHNLICHE SUPERMÄNNER“

Schon 1962 meinte der bekannte deutsche Journalist Gerd Ruge, damals Korrespondent in den USA, der Vergleich des sowjetischen und amerikanischen Raumfahrerkults erlaube „tiefere Einblicke als manche politische Analyse“. Trotzdem ist bislang noch nicht systematisch untersucht worden, wie die Bemühungen der Propagandastrategen in Ost und West dabei wechselseitig aufeinander einwirkten.
Die Geschichte des Kults um die Raumfahrer als „Helden einer neuen Zeit“ begann im April 1959, als die NASA in ihrem Hauptquartier eine ausgewählte Gruppe von sieben erfahrenen Testpiloten vorstellte. Nach dem Sputnik-Schock hatte die United States Information Agency festgestellt, dass die Weltöffentlichkeit in den Errungenschaften der Raumfahrt den maßgeblichen Fortschritts- und Machtindex sehe, anhand dessen sich bestimmen lasse, wer im Kalten Krieg gerade auf der Gewinnerspur fahre. Eine solche Sicht machte aus der Raumfahrt einen Ersatzkrieg und aus den auserkorenen Raumfahrern eine Vorzeigetruppe von Cold War Warriors. Deshalb schloss sich an die Auswahl der zukünftigen Astronauten eine mehr als zweijährige Medienoffensive an, während derer diese „All-American-Boys“ zwar noch nicht den Weg ins Weltall, aber mit ihrer Lebensgeschichte doch schon den Weg in Millionen von Haushalten fanden. Die „Glorreichen Sieben“ aus dem Herzen Amerikas – nämlich aus den weißen protestantischen Middle-Class-Suburbs – waren strahlende Bannerträger der amerikanischen Zivilisation. Den siegesgewissen „Space-Boys“ haftete der Nimbus an, Prototypen einer neuen Menschengattung und Kundschafter der Zukunft zu sein.
Die sowjetischen Raumfahrtmanager hatten die mediale Inszenierung der zukünftigen Astronauten als „gewöhnliche Supermänner“ genau verfolgt und reagierten darauf. Nach einem halbjährigen Auswahlverfahren unter Militärpiloten wurde im Februar 1960 eine Gruppe von sechs Kosmonauten zusammengezogen. Um mit den wagemutigen amerikanischen Eroberern der Lüfte mithalten zu können, hatten die sowjetischen Raumfahrtmanager alle Überlegungen zu den Akten gelegt, Ingenieure, Wissenschaftler oder gar U-Bootfahrer ins Weltall zu schießen. Dass im Osten wie im Westen gerade Piloten zu Raumfahrern weitergebildet wurden, führte dazu, dass Kosmonauten und Astronauten in der medialen Inszenierung einander ähnelten:

„Was sie an Erlebnissen früher Selbstbewährung aus ihrer Fliegerzeit berichten, scheint zwischen Amerikanern und Russen austauschbar [. . .] Die Berichte gleichen sich auch in den Äußerungen des unterkühlten Heroismus, der bei den abenteuerlichen Weltraumingenieuren beider Länder zu finden ist.“

Als Gagarin am 12. April 1961 als „Kolumbus des Kosmos“ buchstäblich vom Himmel in die Arme der Journalisten fiel, gelang dem Kreml sein größter Propagandaclou. Der nun rasch anlaufende Gagarin-Kult ließ die Publicity-Kampagnen um die noch auf der Erde verweilenden amerikanischen Astronauten ziemlich alt aussehen. Chruščev erklärte, der Anbruch des kosmischen Zeitalters gehe mit dem weltweiten Sieg des Kommunismus einher.
Gagarin war gezielt als Weltraumpionier ausgesucht worden, weil er eine Vorzeigebiographie hatte. Als einfacher Junge vom Land personifizierte er das „russische Wunder“, dass der Sowjetunion in kürzester Zeit der „Sprung vom Muzhik zum Sputnik“, vom Bauernlümmel zum ersten Kosmonauten gelungen war. Er erschien als Update der 1920 von Lenin verkündeten technikeuphorischen Formel, Kommunismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung. Sein sozialer Aufstieg und seine technologische Pioniertat wurden zur neuen sowjetischen „master fiction“ Der idealtypische Held gab der Erfolgsstory der sowjetischen Moderne ein strahlendes Gesicht. In seiner offiziellen, von zwei mit dem Ideologiejargon der Zeit bestens vertrauten Pravda-Redakteuren verfassten Autobiographie wurde Gagarins Himmelfahrt als Zeitreise eines vorbildlichen neuen Sowjetmenschen inszeniert, der vom altrussischen Heldenlied bis zu den epischen Romanen des Sozialistischen Realismus, von stalinistischen Liedern bis zu russisch-nationalen Opern und den Werken von Stefan Zweig auch einen kulturellen Kosmos erkundet:

„Als Junge las ich ganz begeistert das „Lied von der Heerfahrt Igors“, die alte russische Sage von der Treue zur Heimat. In den Schulpausen stand ich in der Klasse vor der Geographiekarte und schaute mir die großen russischen Flüssen an, die Wolga, den Dnjepr, den Ob, den Jenissei und den Amur. Wie blaue Adern durchzogen sie das mächtige Gebiet unseres Landes, und ich träumte von fernen Welten und von Fahrten. Nun war ich auf der Fahrt meines Lebens, auf dem Flug um den Erdball! Und in einer Höhe von dreihundert Kilometern dankte ich im stillen der Partei und dem Volk für das große Glück, als erster Mensch durch den Kosmos fliegen und als erster den Menschen davon berichten zu können [. . .] Als ich die westliche Halbkugel überflog, musste ich an Kolumbus denken. Unter Mühen und Strapazen hatte er die Neue Welt entdeckt [. . .] Ich hatte darüber in einem Buch von Stefan Zweig gelesen.“

Die Eroberung des Weltalls, der neue Eintrag in eine beeindruckende Chronik ununterbrochener Triumphe erschien damit als historischer Kristallisationspunkt und zukunftsweisende Quintessenz vergangener Heldentaten. Gagarins Erdumkreisung wurde zu einem die offizielle Geschichtsinterpretation speichernden Narrativ komprimiert, das seine Wirkung dadurch entfaltet, dass die darin eingelagerten Geschichten nicht mehr erzählt werden müssen, sondern als schon erzählte einfach abgerufen werden können.
Diese extrem verdichtete Form von positiven Zuschreibungen und heroischen Deutungen wirkt wie ein starkes mentales Gravitationsfeld, mit dessen Hilfe auch andere historische Ereignisse und Entwicklungen zu einem kohärent erscheinenden Sinnzusammenhang verbunden werden. Diese „Hyperkanonisierung“ (Jonathan Arac) erklärt, warum der Name Gagarin bis heute eine selektive Aufmerksamkeit für die zustimmungsfähige technologische Schokoladenseite der Sowjetgeschichte schafft.
In die ungebrochene Tradition eines aufopferungsvollen Heroismus versuchten die Moskauer Chefideologen die Raumfahrt unter anderem dadurch zu stellen, dass die Sowjetbevölkerung die Nachricht von Gagarins Erdumkreisung 1961 aus dem Munde von Jurij Levitan vernahm, Stalins Lieblingsradiosprecher, der 1945 als „Stimme der Heimat“ den Sieg über das nationalsozialistische Deutschland verkündet hatte. Neben Levitan hatte bei der Popularisierung der Raumfahrt und ihrer Helden auch der prominente Sowjetjournalist Evgenij Rjabčikov maßgeblichen Anteil. 1910 geboren, gehörte er zur Riege aufstrebender Korrespondenten, die in den 1930er Jahren mit ihren Heldengeschichten den neuen Stil der stalinistischen Presse geprägt hatten. Seine vielgelesenen Beiträge über die neuen Flugzeuge und ihre tollkühnen Piloten machten ihn zum Starreporter. Zwischen 1949 und 1953 berichtete Rjabčikov für die Pravda und die Zeitschrift Ogonek von den Bauplätzen des Wolga-Don-Kanals. Danach wandte er sich wieder der Luftfahrt zu und machte sich bald einen Namen als Rundfunk- und Fernsehkommentator. Er schrieb vielbeachtete Reportagen, Skripte und Bücher über das Leben, das Training und die Raumflüge der sowjetischen Kosmonauten. Als Veteran des stalinistischen Massenjournalismus nutzte Rjabčikov den verbreiteten Enthusiasmus für die Technik als Mobilisierungsinstrument, um durch lebendige Schilderungen der „sowjetischen Sensationen“ die Leser für den unbedingten Fortschrittskurs des Parteistaats zu gewinnen.
Die immer wieder von der Sowjetpropaganda hervorgehobene Kontinuität der sowjetischen Luft- und Raumfahrtgeschichte, den Brückenschlag zwischen den Heldentaten des Zweiten Weltkrieges und den triumphalen Errungenschaften des Kalten Krieges personifizierte nicht zuletzt der Fliegergeneral Nikolaj P. Kamanin, ein bekannter Fliegerheld der 1930er Jahre und hochdekorierter Weltkriegskommandeur, der seit Anfang der 1960er Jahre für die Auswahl und Ausbildung der Kosmonauten verantwortlich war und in dieser Funktion auch öffentlich auftrat.
Auf diese propagandistische Herausforderung Moskaus reagierten die USA mit einer Amerikanisierung des Kosmos. Den Startschuss gab John F. Kennedy mit seiner berühmten Rede vom 25. Mai 1961, in der er die amerikanische Nation mit pathetischen Worten zum Mondflug aufrief. Die Washingtoner Werbestrategen griffen gezielt auf die amerikanische Gründungsmythologie mit ihrer starken Symbolik der Überschreitung und Verteidigung von Grenzen zurück. Der Astronaut erschien als idealtypischer unabhängiger Pionier, der die Zivilisation in eine neue Dimension vorantreibt, damit der Nation neue Wege öffnet und sie an ihren Grenzen gegen gefährliche Feinde verteidigt. Den Referenzrahmen für eine solche Inszenierung bot im Unterschied zum sowjetischen Pendant nicht so sehr die Weltliteratur, sondern vor allem der Hollywood-Western.
Allerdings speiste sich das frontier-Narrativ nicht nur aus der ins All transportierten Wild-West-Romantik, es verband sich auch mit der Faszination für den beschleunigten wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Schon 1945 hatte der einflussreiche Wissenschaftsmanager Vannevar Bush, die Weltkriegserfahrungen reflektierend, die Aufmerksamkeit des politischen Establishment auf Wissenschaft und Technik als „endless frontier“ eines neuen Zeitalters gelenkt: Kriege würden in Zukunft in den Labors und Konstruktionsbüros entschieden.
Mehr als einmal ist darauf hingewiesen worden, dass der Kalte Krieg eine Art „Glaubenskrieg“ war. Dem entspricht, dass Gagarins offizielle Lebensgeschichte zahlreiche ins Kommunistische gewendete religiöse Motive durchziehen. Der Eroberer des Himmels wurde als säkulare Heiligenfigur, der das Evangelium des irdischen Kommunismus predigt, in den Dienst des antireligiösen Feldzugs genommen, mit dem die Parteiführung die Sowjetgesellschaft seit Ende der 1950er Jahre erneut überzogen hatte.
Der militante Atheismus des Kosmonautenkults stellt die dialektische Antithese zur tiefen Religiosität der amerikanischen Space Community dar. Viele ihrer Führungspersonen wie zum Beispiel Wernher von Braun bekannten sich in Houston, dem neuen Raumfahrtzentrum, offen zu ihrer Zugehörigkeit zum texanischen bible belt, in der Evangelikale den Ton angaben. Auf die antireligiöse Offensive Moskaus reagierte die NASA damit, dass sie die Astronauten bei ihren Weltraumflügen christliche Rituale abhalten ließ, die mittels moderner Kommunikationstechnik live übertragen wurden – Teile der US-Presse spotteten daraufhin über den „Messias-Komplex“ der Astronauten. Im August 1969 gab der U.S. Supreme Court der Klage amerikanischer Atheisten statt, die darauf pochten, dass die NASA als Regierungsbehörde ihre Raumschiffe nicht den Evangelikalen als exorbitale Missionssatelliten zur Verfügung stellen dürfe.

ENTKANONISIERUNG UND KULTURELLE MODERNISIERUNG

Als Gagarin die Schwerkraft der Erde hinter sich ließ, war er 27 Jahre alt und damit knapp ein Jahrzehnt jünger als seine amerikanischen Kontrahenten Alan Shepard und John Glenn. Die Moskauer Parteiführer hatten sich gezielt „Grünschnäbel“ ausgesucht, um die Himmelsstürmer zu „neuen Sowjethelden“ für die heranwachsende Tauwettergeneration aufzubauen. Mit den Altersgenossen Gagarins, denen die Gnade der späten Geburt zugefallen war, sich weder bei den Industrialisierungskampagnen der 1930er Jahre noch bei den Weltkriegsschlachten bewähren zu müssen, hatte der sowjetische Parteistaat seine liebe Mühe. Sie litten unter einem akuten Mangel an Vorbildern. Viele der alten Helden waren einfach nicht mehr zeitgemäß und glaubwürdig. Unverblümt sprachen sowjetische Literaturkritiker von der „Verlogenheit des offiziellen Heldentums“. Der bekannte Sowjetliterat Il’ja Ėrenburg beklagte die „extreme emotionale und menschliche Verkürzung des positiven Helden, der nur noch ein menschliches ‚Halbfabrikat‘ darstellt“.
Die Parteiführer zeigten sich höchst irritiert vom zaghaften Aufblühen jugendlicher Subkulturen wie den sogenannten stiljagi oder beatniki, die sich für wilden Jazz und Rock ’n’ Roll begeisterten und einen eigenwilligen, nonkonformen Kleidungsstil pflegten. Es gelte, so die Parteilosung, diese „parasitären Stimmungen“ auszumerzen, um das Herz und die Seele der gesamten Sowjetjugend wieder für die großen Anliegen der Zeit zu gewinnen. Literaten, Künstler und Regisseure führten heftige Diskussionen, wie denn der ideale Held in der Übergangszeit zum Kommunismus auszusehen habe. In dieser kulturpolitischen Umbruchsituation war Gagarin wahrlich ein Geschenk des Himmels.
Die Moskauer Propagandastrategen schrieben ihm die Eigenschaften eines „wahren Sowjetmenschen“ zu, der sein Leben ganz nach dem 1961 verkündeten „Moralkodex der Erbauer des Kommunismus“ ausrichtete. Gagarin erschien in den Medien zum einen als adretter Familienvater, der hart arbeitete, sich in der Freizeit rührend um seine beiden Kinder sorgte und seiner Ehefrau mit Respekt und Liebe begegnete. Zum anderen trat er als aufgeschlossener Zeitgenosse in Erscheinung, der täglich die Pravda und abends Werke der russischen Literatur las. Gagarin trieb Sport und ging als echter Naturbursche gerne fischen. Seine Lieblingsgetränke waren selbstverständlich Milch und Mineralwasser. Er fluchte nicht, pflegte Freundschaften und war allen gegenüber höflich und aufgeschlossen.
Die Ikonographie Gagarins griff die aus den stalinistischen Zivilisierungskampagnen (kul’turnost’) der ersten beiden Fünfjahrespläne bekannten Zuschreibungen auf und hielt sich weitgehend an die mythischen Bilder des Sozialistischen Realismus, etwa das der „Großen Familie“ und des „Kampfes gegen die Natur“. Der Kosmonautenkult knüpfte zudem unmittelbar an die Fliegererfolge der sogenannten „Stalinschen Falken“ der 1930er Jahre an. Gagarin, German Titov und ihre kosmischen Kollegen ernannten den wagemutigen Rekordpiloten Valerij Čkalov zu ihrem Heldenvater, der sie zu Großtaten inspiriert hätte. Zugleich dankten sie artig ihrem „väterlichen Freund“, dem Staats- und Parteichef Chruščev, für seinen Zuspruch und seine Unterstützung. Chruščev seinerseits sonnte sich nur zu gern im Glanz seiner „Himmelssöhne“, um in turbulenten Zeiten des Um- und Aufbruchs seine Autorität zu festigen. Der kosmische Personenkult ließ den neuen Kremlchef zwar nicht wie zuvor Stalin als Gottvater erscheinen, der allem Irdischen entrückt war, aber doch als eine politische Lichtgestalt, die der Sowjetgesellschaft die neuen Horizonte des anbrechenden kommunistischen Zeitalters erschloss. Als Gagarin am 14. April 1961 vom Moskauer Regierungsflughafen Vnukovo in einem offenen Cabriolet an jubelnden Menschenmengen vorbei bis zum Roten Platz fuhr – eine Anleihe bei der amerikanischen Tradition der Konfettiparade – , saß ein lächelnder Chruščev neben ihm, der den Jubel ganz offensichtlich genoss und den ersten Raumflug auch als eigenen politischen Erfolg verbuchte, ohne sich dabei doch über den „Helden des Tages“ zu erheben. Obwohl die überlieferten kanonisierten Prinzipien weiterwirkten, war nicht zu übersehen, dass die erstarrten narrativen Strukturen des sowjetischen Helden- und Personenkults sich teilweise aufzulösen begannen. Gagarin wurde nicht zur Schablone. Er wirkte authentisch, nicht zuletzt weil die Moskauer Propaganda-Spezialisten zentrale Motive, Posen und Darstellungsweisen der medialen Show um die amerikanischen Astronauten übernahmen und den „Kolumbus des Kosmos“ zum sozialistischen Sonnyboy stilisierten.
Die partielle Amerikanisierung des Kosmonautenkults bezog auch Gagarins Ehefrau Valentina mit ein, der wie den Astrowives im texanischen Houston als treuer Gefährtin ein spezifisch weiblicher Ehrenplatz zwischen Kindern, Küche und Kosmos zugewiesen wurde. Allerdings ging die Inszenierung der modernen Sowjetfrau – anders als in den USA – weit über das Bild der treusorgenden Ehefrau und Mutter hinaus. Im Juni 1963, wenige Tage vor der Eröffnung des Weltkongresses der Frauen in Moskau, wurde mit „Kosmonaut Nr. 6“ Valentina Tereškova die erste Frau ins Weltall geschossen. Über die Flugleistungen der „First Lady der Raumfahrt“ gibt es bis heute Gerüchte und Mutmaßungen: Die Verantwortlichen des sowjetischen Raumfahrtprogramms waren angeblich keineswegs zufrieden; dem Chefingenieur Sergej Korol’ev wird sogar der Satz „Mir kommt kein Weib mehr ins All!“ zugeschrieben.
Während des Fluges gab es wiederholt unerwartete Zwischenfälle und Störungen, die Tereškova in Bedrängnis brachten. Doch was auch immer im All geschehen war, die Moskauer Chefagitatoren hielt das nicht davon ab, Tereškova anschließend als „Frau des Jahrhunderts“ zur Ikone der sowjetischen Frauenemanzipation aufzubauen.
Die Kriegswaise, Textilarbeiterin, aktive Komsomolzin und Fallschirmspringerin wurde als idealtypische moderne Sowjetfrau inszeniert, deren Haarschnitt und Kleidung bald Millionen imitierten. Ihr Äußeres entsprach dem Geschmack der Zeit; dabei hob sie sich von den Vorzeigefrauen des Westens dadurch ab, dass ihr alles Skandalöse, Verruchte oder Obszöne völlig fremd war. Die Heldin der Sowjetunion hatte weiblich und adrett zu wirken, aber keinesfalls sexy. Tereškova trug darum lockere, moderne, aber stets hochgeschlossene und schlichte Kleidung.
Britische Journalisten schrieben damals ganz im Sinne der sowjetischen Propagandachefs:

„Sie ist eine in ihrer Art schöne Frau, obgleich sie keine auffallende Schönheit ist. Schön sind ihre gütigen Augen, das liebe Lächeln, die Bescheidenheit und Innigkeit. Sie wirkt auf den ersten Blick vielleicht schmal und zerbrechlich, aber sie besitzt große Kraft, Energie und Willensstärke.“

In der Presseberichterstattung stand die „Amazone des Alls“ in ihrem Kosmonautenjob ihren Mann, führte schwierige technische Aufgaben durch und trieb ausgiebig Sport; wenn sie abends nach Haus kam, hatte sie am Herd zu stehen und wie Millionen anderer Sowjetfrauen ihrem Pravda-lesenden Ehemann liebevoll das Essen zuzubereiten und zu servieren. In der offiziellen Darstellung Tereškovas waren das Professionell-Technische und das Weiblich-Mütterliche stets sorgfältig austariert. So wurde die erste Frau im Weltall einerseits gern im Trainingsanzug und vor technischen Apparaturen gezeigt, andererseits aber auch oft mit Kindern und Blumen abgebildet.
Auf Anweisung von Chruščev wurde Tereškova sechs Monate nach ihrem Weltraumflug mit ihrem Kosmonautenkollegen Andrian Nikolaev verheiratet. Der Washingtoner Raumfahrtexperte Eugene Konecci lästerte damals, dies sei „die erste der Wissenschaft zuliebe vom Staat verfügte Eheschließung“. Tereškova und Nikolaev bildeten fortan eine „kosmische Familie“, ihre im Juni 1964 geborene Tochter erhielt den Beinamen „Sternenkind“ und „Weltraumbaby“ und erfreute sich der besonderen Aufmerksamkeit von Ärzten und Wissenschaftlern. In der Sowjetpresse wurde nach westlicher Manier über die Hochzeit der beiden Kosmonauten berichtet, mit zahlreichen Fotos und gefühlsgeschwängerten Reportagen. In einem Land, in dem weder die Frauen der Parteibosse noch die bekannten Persönlichkeiten aus Sport und Kultur Gegenstand der Presseberichterstattung waren, kam die aufwendig zelebrierte Teilnahme des gesamten Sowjetvolks an der Hochzeit der beiden Kosmonauten und später an der Geburt ihrer Tochter einer medialen Sensation gleich. In der sowjetischen Pressegeschichte war dies ein einmaliges Ereignis.
Wichtige Impulse für das sowjetische Pressewesen gingen auch von der Auslandspropaganda aus. Zeitgleich mit Gagarins Raumflug wurde in Moskau mit APN (Agentstvo pečati „Novosti“) eine neue sowjetische Nachrichtenagentur gegründet, die der Weltöffentlichkeit keine tagespolitischen Nachrichten, sondern buntes Material aus dem sowjetischen Kultur- und Gesellschaftsleben anbot. Die zunehmende Anpassung der Sowjetpresse an internationale Standards schlug sich besonders in den Illustrierten nieder, die auch in der Sowjetunion als Nachrichten-, Meinungs- und Unterhaltungsmagazine einen enormen Aufschwung erlebten und vielfach auch in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und anderen Sprachen in hohen Auflagen publiziert wurden.
Wie das amerikanische Life Magazine, das sich das Exklusivrecht an den Homestories und Familiengeschichten der Astronauten gesichert hatte, breiteten die sowjetischen Illustrierten das Familienleben und die Freizeitgestaltung der Kosmonauten auf ihren bunten Seiten aus. Zwar wurden zahlreiche Gagarin-Bilder weiterhin retuschiert, und in der Berichterstattung herrschten strenge Zensur und ängstliche Geheimniskrämerei. Einzelne Szenen wurden derart dilettantisch nachgestellt, dass aufmerksame Leser nur verwundert den Kopf schütteln konnten. Dennoch gab es immer wieder auch Bilder, die dank Gagarins persönlicher Ausstrahlung so authentisch wirkten, dass sie den Zeitgeist in einer Momentaufnahme zu fixieren schienen. Sie machten wichtige Botschaften der Parteiführung sichtbar, die neuen Zukunftsoptimismus und Lebensfreude, Aufrichtigkeit und Unmittelbarkeit einforderte. Die alltags- und lebensnahen Darstellungen ließen die Kosmonauten menschlich wirken – eine Eigenschaft, die den aufopferungsvollen, allzu ernst dreinblickenden Helden der Stalin-Zeit abgegangen war. Gagarins tragischer Tod im Alter von nur 33 Jahren verewigte schließlich sein Bild als junger, dynamischer Held aus der Mitte der Sowjetgesellschaft. Die Hunderttausende von Briefen und Bittschriften, die er als Deputierter des Obersten Sowjets vor seinem Tod jährlich erhalten hatte, zeigten, dass ihm zahlreiche Sowjetbürger vertrauten und hofften, er könne als Anwalt der „kleinen Leute“ ihre Anliegen in die große Politik einbringen. Gagarin war mehr als eine bloße Propagandafigur und Politikone; er blieb ein „Held des Volkes“.
Natürlich stieß der Kosmonautenkult in der Sowjetgesellschaft auch auf Kritik. Die zentralen Tageszeitungen sahen sich gezwungen, kritische Leserbriefe zu publizieren und zu kommentieren, in denen immer wieder die Klage laut wurde, für das sowjetische Raketenprogramm werde das Geld verschwendet, das man eigentlich brauche, um den Lebensstandard in der Sowjetunion zu heben und akute Engpässe bei der Versorgung mit Konsumwaren und Lebensmitteln endgültig zu beheben. Gagarin war nicht zuletzt Gegenstand zahlreicher Anekdoten, deren subversiver Witz den offiziellen Kult unterlief oder sogar verhöhnte.
Allerdings scheint die Zustimmung zur Raumfahrt in der sowjetischen Gesellschaft deutlich größer gewesen zu sein als in den USA. Trotz aller von der NASA inszenierten Medienkampagnen ergaben Meinungsumfragen, dass weite Teile der US-Bevölkerung, vor allem Afroamerikaner, Katholiken und ethnische Randgruppen, das Apollo-Programm ablehnten. Als 1969 bei einem großen Soul-Konzert in Harlem ein Sprecher den Zuhörern stolz verkündete, soeben habe ein Amerikaner erstmals einen Fuß auf den Mond gesetzt, erntete er keinen Applaus, sondern ein gellendes Pfeifkonzert.
Nicht nur in der gesellschaftlichen Binnenwirkung, sondern auch international schnitt der sowjetische Kosmonautenkult im Vergleich zum amerikanischen Astronautenkult keineswegs schlecht ab. Zwar wirkten die sowjetischen Medienprodukte neben den amerikanischen trotz ihrer bemerkenswerten Modernisierung noch immer altbacken und wenig konkurrenzfähig. Die Sowjetindustrie hatte beispielsweise erhebliche Probleme, den neuen Offsetdruck einzuführen. Diesen drucktechnischen Rückstand machten die Kosmonauten aber durch eine aktive Reisetätigkeit wett: Als Jetsetter der globalen sowjetischen Charme-Offensive und Sympathieträger ihres Landes machten sie weltweit auf sich aufmerksam.
Im Vergleich zu John Glenn, vormals Pilot im Zweiten Weltkrieg und Korea-Krieg, erschien Gagarin, den der Zweite Weltkrieg als Kind traumatisiert hatte, als glaubwürdiger „Botschafter des Friedens“. Sein freundliches, warmes Gesicht passte so gar nicht zum stereotypen Bild vom grimmig-bösen Russen. Mit seiner jungenhaften Fröhlichkeit und seiner anschaulichen Erzählweise nahm er die Menschen überall für sich ein. Nicht zuletzt setzte sich der inszenierte „Kolumbus des Kosmos“ von der arroganten Attitüde westlicher Kolonialherren ab: Bei seinem Überflug über den afrikanischen Kontinent gedachte er ehrfurchtsvoll des „harten Schicksals der Unterdrückten und Freiheitskämpfer“. Der Astronaut Alan Shepard hingegen stellte die Afrikaner als ignorante Eingeborene dar, die gar nicht wüssten, was eine Rakete sei. Zeitgenössische westliche Experten wiesen darauf hin, dass die sowjetische Modernisierungsrhetorik äußerst geschickt auf die Befindlichkeiten der Entwicklungsländer eingehe. Wenn, wie John F. Kennedy prognostiziert hatte, der Kalte Krieg auf den politischen Schlachtfeldern der Dritten Welt entschieden würde, dann hieß das, dass der Westen angemessene kulturelle Gegenstrategien entwickeln musste.
Eine dieser Gegenstrategien bestand darin, den Unterschied zwischen Demokratie und Totalitarismus deutlich zu machen. So zog die westliche Propaganda offensiv gegen die unsinnige Geheimhaltungspraxis der sowjetischen Kontrahenten ins Feld und verkündete: „Wir spielen mit offenen Karten.“ Nach John Glenns erfolgreicher Weltraumreise am 21. Februar 1962 beispielsweise hieß es in der amerikanischen Presse:

„[Dieser Raumflug] war ein viel ehrlicheres Spiel. Denn Glenn war der Vertreter einer freien Gesellschaft, die vor der Öffentlichkeit nichts zu verbergen hat, und er ergriff seine Chance, während die ganze Welt auf ihn blickte. Als er dann zur Erde zurückkehrte, war er ganz darauf eingestellt – im Gegensatz zu den ersten Kosmonauten – sein Abenteuer bis in die kleinsten Details mitzuteilen und die vollständige Geschichte zu berichten.“

Während Gagarin bei der Schilderung seiner Weltraumreise kaum ein Wort über die Raketentechnik verlor und statt dessen vor allem über seinen Werdegang und die russisch-sowjetische Kultur zu sinnieren hatte, ergingen sich die amerikanischen Astronauten in ausführlichen Beschreibungen ihres Raumanzugs, technischer Apparaturen und der Innenausstattung ihrer Kapseln, um Offenheit und Transparenz zu suggerieren. Sie inszenierten sich gezielt als technische Fachleute, die aktiv am Raketenbau teilnähmen. Gagarin sollte im Kontrast dazu als passiver Passagier seiner Vostok-Rakete und als „Sklave im Weltraum“ erscheinen, dem der sowjetische Bevormundungsstaat jegliche Mitsprache und Teilnahme an der Konstruktion verweigerte.
Die Verunsicherung des Westens durch die sowjetischen Raumfahrterfolge führte aber nicht nur dazu, dass sich die politischen Stereotypen des Westens über den weltpolitischen Gegner fest in den Raumfahrer- und Raketenkult einschrieben. Darüber hinaus gab es durchaus bemerkenswerte politische Reaktionen. Amerikanische Historiker sprechen heute rückblickend von den „großartigen Geschenken von Sputnik und Gagarin“ an das amerikanische Volk. Den erfolgreichen sowjetischen Vorstoß ins All nahmen Washingtoner Politiker, Medienmacher und Wissenschaftsmanager als „technologisches Pearl Harbor“ wahr. Das führte dazu, dass die USA fortan deutlich mehr Geld in Wissenschaft und Bildung investierten. 1961 erschien unter dem plakativen Buchtitel What Ivan knows, that Johnny doesn’t know eine kritische Bestandsaufnahme des amerikanischen Bildungssystems, die lebhafte Diskussionen auslöste. Experten und Politiker stritten darüber, in welchem Maß sich amerikanische Reformvorhaben an der in der Sowjetunion praktizierten polytechnischen Schul- und Universitätsbildung orientieren müssten, um sich besser auf den beschleunigten wissenschaftlich-technischen Fortschritt einzustellen. Die wachsende Aufmerksamkeit für das sowjetische Modell stärkte die Moskauer Parteiführer in ihrem Glauben, dass sie sich auf der Überholspur der Geschichte befinden. Über die akute Reformbedürftigkeit ihrer eigenen Politik sahen sie siegestrunken hinweg. Insofern stellte das Jahr 1961 mit Gagarins Raumflug einen Höhepunkt in der Geschichte des Sowjetkommunismus dar, der nie wieder erreicht wurde.

DIE VERWOBENEN MODERNEN DES KALTEN KRIEGES

Gagarin war der erste Weltstar der Sowjetunion, der nicht nur Parteiführer, sondern auch internationale Filmdiven wie Gina Lollobridgida und Sofia Loren küssen durfte. Trotzdem blieb er liebenswürdig und geradlinig, erd- und volksverbunden. Mit seiner Kriegskindheit, seinen hart erkämpften Bildungs- und Berufserfolgen im Jugendalter und seinen bescheidenen Wünschen als Familienvater fasste er die Erfahrungen und Erwartungen von Millionen in leicht verständliche Worte. Für die zwischen 1930 und 1950 geborenen sowjetischen Generationen war die Lichtgestalt Gagarin ein fester Bestandteil ihres Lebens. Wer heute in Russland nach dem harten Kern der kosmischen Gesinnungsgemeinschaft und des Gagarin-Fanclubs fahndet, wird ihn insbesondere bei Ingenieuren und Technikern im oder kurz vor dem Rentenalter finden. Zu ihrer Selbstbezeichnung verwendet diese „alte Garde“ nicht mehr die üblichen Labels von der Tauwettergeneration oder den šestidesjatniki; ihre Vertreter sprechen vielmehr stolz von der „Generation Sputnik“ oder der „Generation Gagarin“. Der Kosmonautenkult hat offenbar klar identifizierbare Narrative, Semantiken und Symbole geschaffen, die über Jahrzehnte und Generationen hinweg wirken und die russländische Gesellschaft im Innersten und Verborgenen zusammenhalten.
Auch über Russland hinaus wirkt der Kosmonautenkult heute als Klammer, die sowohl die ehemaligen Sowjetrepubliken als auch die vormaligen Ostblockstaaten erinnerungskulturell zusammenbindet und die früher geteilten Träume vergegenwärtigt. So verlor nach dem Beitritt der DDR in die Bundesrepublik Deutschland der im Osten lange Zeit gepflegte Kosmonautenkult zwar an Bedeutung, doch in den ostdeutschen Städten gibt es nach wie vor zahlreiche Schulen, Plätze und Straßen, die nach den sowjetischen Pionieren des Kosmos benannt sind.
Der langanhaltende Erfolg des sowjetischen Kosmonautenkults ergab sich aus einer spezifischen Mischung von Kontinuität und Wandel. Er basierte zum einen auf der Fortführung des in den 1930er Jahren etablierten stalinistischen Helden- und Fliegerkults. Während der Tauwetterperiode bemühten sich die Moskauer Kulturpolitiker verzweifelt, die Kernarchitektur dieses kulturellen Kanons zu erhalten und ihn durch Teilreparaturen den neuen Zeitumständen anzupassen. Der Kosmonautenkult war eine Rettungsmaßnahme, die den institutionalisierten Heroismus und den kulturellen Kosmos der Sowjetmenschen modernisieren und so vor dem Zusammenbruch bewahren sollte. Wie so oft setzte die Systemkonkurrenz des Ost-West-Konflikts auch hier auf langfristigen Entwicklungen und mentalen Prädispositionen auf, die durch die Blockrivalität an Dynamik gewannen und ein zeitspezifisches Profil erhielten.
Zum anderen entwickelte sich der sowjetische Kosmonautenkult keineswegs nur eigendynamisch aus der etablierten Sowjetkultur selbst heraus, sondern er war eingebunden in den Systemwettbewerb des Kalten Krieges. Die Ironie der Geschichte lag darin, dass die sowjetischen Kosmonauten nicht zuletzt deshalb zu internationalen Sympathieträgern und allem Irdischen entwachsenen Lichtgestalten werden konnten, weil die Sowjetpropaganda bei ihrer Heldeninszenierung amerikanische Vorbilder imitierte. Trotz aller Kontinuität lassen sich beim Kosmonautenkult neue Praktiken in Presse und Propaganda kaum übersehen. Trevor Rockwell geht sogar so weit, in der Inszenierung Gagarins als jugendlicher „Kolumbus des Kosmos“ das „endgültige Ende der Stalinzeit“ und einen der wichtigsten „Schritte auf dem Weg zur Entstalinisierung“ zu sehen.
Die neue historische Propagandaforschung hat überzeugend gezeigt, dass eine konzentrierte, zeitlich befristete Propaganda geschlossene Regelkreise von Botschaften und Bedeutungen schafft, deren gemeinschaftsstiftende eingängige Welterklärungen über lange Zeiträume wirksam bleiben und damit Einfluss auf kollektive Dispositionen und Mentalitäten, Erfahrungen und Erwartungen nehmen. Die politische und kulturelle Erschließung des Weltraums war hierfür ein charakteristisches Beispiel. Als spezifische Form sozialer Kommunikation, die im Wechselspiel zwischen Beeinflussern und Beeinflussten entsteht und kollektive Selbstverständnisse konstruiert, war Propaganda auch in diesem Kontext keineswegs nur ein bloßes Instrument der politischen Macht; sie war das kulturelle Energiezentrum und die medialisierte Selbstbestätigung mächtiger Industrienationen. Diese entwickelten sich im Zeitalter des Kalten Krieges keineswegs nur eigendynamisch, sondern vor allem im konkurrierenden Wechselspiel über den Eisernen Vorhang hinweg. Dabei waren die beiden Supermächte einerseits von der Angst getrieben, durch mangelnde Feindbeobachtung den Anschluss zu verpassen, andererseits vom Willen, trotz eifersüchtiger Imitation ein eigenes Profil auszubilden.
Die Welt des Kalten Krieges ist somit als ein komplexes Geflecht geteilter Geschichten zu beschreiben. Der deutsche Begriff der „geteilten Geschichte“, der im Englischen sowohl mit „shared“ als auch mit „divided“ wiedergegeben werden kann, scheint außerordentlich zutreffend, um die Gleichzeitigkeit von Interaktion und Konkurrenz und damit die machtpolitischen Imperative im Zeitalter der „organisierten Friedlosigkeit“ zum Ausdruck zu bringen. Eben die widersprüchlichen Konstellationen von Verflechtung und Abgrenzung sowie die auf Distanz bedachte Nähe zwischen den Gesellschaften des Kalten Krieges werden am Kult um Kosmonauten und Astronauten so deutlich wie an kaum einem anderen Thema.

Klaus Gestwa (1963), Dr. phil., Historiker, Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Von Klaus Gestwa ist zuletzt in OSTEUROPA erschienen: Auf Wasser und Blut gebaut. Der hydrotechnische Archipel Gulag, 1931–1958, in: OE, 6/2007, S. 239–266. – „Energetische Brücken“ und „Klimafabriken“. Das energetische Weltbild der Sowjetunion, in: OE, 9–10/2004, S. 14–38. – Raum – Macht – Geschichte. Making Sense of Soviet Space, in: OE, 3/2005, S. 46–69

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